Das Wort SaltAR beschreibt den übergeordneten Grund und die Tätigkeit, die das interdisziplinäre Team aus Naturwissenschaftler:innen, Kunsthistoriker:innen und Restaurator:innen mit dem Forschungsprojekt verfolgen wird.
„Salt“ steht für die bauschädlichen Salze, die dem kulturellen Erbe zusetzen und es nachhaltig schädigen. Der Fokus ist im Projekt dabei auf historische Stuckdekorationen und Wandmalereien gerichtet.
AR, weil es bei den Studien nicht um Stuck im Allgemeinen, sondern um Kunststuck im Besonderen geht. (Anmerkung: Ich sehe in „AR“ auch die Bedeutung für „alpine region“ und das Projektgebiet)
SaltAR ist ein grenzüberschreitendes Forschungsprojekt, das sich mit Stuckdekorationen und Wandmalereien in und an historischen Gebäuden befasst und im Rahmen des Programms „Interreg VI-A Italia-Österreich 2021-2027“ finanziert wird. Es umfasst die Gebiete Nordtirol, Südtirol, Udine und die Provinz Belluno.
Das Projekt begann im Februar 2024, erstreckt sich über einen Zeitraum von zwei Jahren und setzt sich dabei ehrgeizige Ziele.
Die Schadensproblematiken an den Stuckaturen und Wandmalereien, die zahlreiche historische Gebäude und Raumdekorationen im Projektgebiet schmücken, sind oftmals auf Umwelteinflüsse und/oder ungünstige Materialkombinationen zurückzuführen. Im Zuge des Projekts werden Objekte unter naturwissenschaftlichen, kunsthistorischen und werktechnischen Gesichtspunkten untersucht. Die gewonnenen Erkenntnisse werden gebündelt und Ableitungen für die konservatorische und restauratorische Praxis entwickelt. Dazu zählen auch praktische Versuche und Proberestaurierungen direkt an Objekten.
Das von der Universität Innsbruck koordinierte interdisziplinäre Team setzt sich aus dem Circolo Cultura e Stampa Bellunese, der Fondazione De Claricini Dornpacher (UD) und dem Heritagelab Bozen zusammen. Die einzelnen Aufgabenschwerpunkte und Beiträge sollen dazu beitragen, ein „Netzwerk“ zum Schutz des kulturellen Erbes zu entwickeln. Dazu werden Untersuchungen und Empfehlungen zur Verfügung gestellt.
Die vorliegenden Studien der Abteilung „Materialwissenschaft, Materialanalyse im Bereich des kulturellen Erbes“ der Universität Innsbruck aus den letzten zwanzig Jahren bilden den Ausgangspunkt für das aktuelle Forschungsprojekt. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Charakterisierung von verwendeten Bindemitteln von historischen Putzen und Mörteln, deren mineralogische Zusammensetzung, dem Abbindeverhalten und der Dauerhaftigkeit.
Insbesondere wurde dabei die historische Verwendung von Dolomit im Alpenraum – insbesondere auch in den Projektgebieten – untersucht und die Ursachen für seinen Verfall erforscht. So konnte festgestellt werden, dass die umwelt- und materialbedingte (z.B. Kombination mit Gips an Stuckaturen) Sulfatbelastung zu einer derHauptschadensursachen zählt.
SaltAR baut auf diesen ersten Erkenntnissen auf, um ein weiteres Ziel zu erreichen: die Entdeckung und Entwicklung wirksamer Methoden, die dem Schutz des gebauten kulturellen Erbes im gesamten Projektgebiet zugutekommen soll.
Die Stiftung de Claricini Dornpacher und ihr Team verfügen über fundierte Kenntnisse des kulturellen Erbes in der Region Cividale. Sie stellen dem Projekt das Erbe der Villa de Claricini Dornpacher, ihr Know-how über den lokalen Kontext, die Sichtbarkeit und die Verbreitungskapazität der Organisation sowie externes technisches Fachwissen auf dem Gebiet der Kunstgeschichte und der Restaurierung und Erhaltung des architektonischen Erbes zur Verfügung.
Darüber hinaus werden die Stuckarbeiten in der Villa selbst durch Probenahmen und Analysen untersucht, um neue Lösungen für die Restaurierung im Falle von Schäden durch Zeit, Klima und ungünstige Materialkombinationen zu finden.
Die Forschungsergebnisse könnten auch nützlich sein, um grenzüberschreitende künstlerische Einflüsse nachzuweisen und gleichzeitig die Entwicklung transnationaler Strategien für die Erhaltung und Restaurierung des kulturellen Erbes durch die Unterstützung eines ständigen grenzüberschreitenden Forschungsteams zu fördern.
Das Projekt und seine Ergebnisse werden auch durch Veranstaltungen bekannt gemacht, die im Jahr 2025, dem Jahr der Kulturhauptstadt Europas New Gorica / Gorica, an dem eindrucksvollen Ort der Villa organisiert werden. Auf diese Weise sollen innovative und nachhaltige Ansätze zur Aufwertung des reichen kulturellen Erbes des italienisch-österreichischen Grenzgebiets auf integrierte Weise gefördert werden.